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Geschichte der Stadt Mönchengladbach

Das heutige Mönchengladbach ist ein Zusammenschluss aus mehreren Kleinstädten, was sich bis heute in den Namen der Stadtteile wiederspiegelt. Die Geschichte Mönchengladbachs ist daher eigentlich die Geschichte von Gladbach, Rheydt, Wickrath, Neuwerk und weiteren Gemeinden.

Das Münster am Gladbach

Der Anfang der Besiedelung am Gladbach hängt direkt mit der Erbauung des Münsters zusammen. Im Jahre 954 suchte Erzbischof Gero von Köln einen geeigneten Ort zur Gründung eines neuen Klosters. Am Gladbach entdeckten seine Gesandten die Ruinen einer Kirche, die von den Ungarn zerstört worden war. Angeblich soll ein mysteriöses Glockenläuten zu hören gewesen sein, das als Fingerzeig Gottes gedeutet wurde. Über zweihundert Jahre zog sich dann der Bau des Münsters, bzw. der Abtei Gladbach dahin.

Um das Münster entstanden in den folgenden Jahren noch mehrere Klosterbauten von verschiedenen Mönchsorden (u.a. Benediktiner, Kapuziner und Franziskaner). So erhielt Gladbach den Beinamen Mönchen bzw. zuerst München Gladbach.

Burgen und Siedlungen im Mittelalter

In Odenkirchen, Rheydt und Wickrath wurden um das 12. Jahrhundert Burgen erbaut, die als Residenzstätten für Herzöge und Landvogte dienten. Die Herrschaftsrechte lagen entweder beim Kölner Bischof oder bei Kaiserlichen Adelsfamilien. Landbesitz und Machtbefugnisse wurden oftmals verschenkt, vererbt oder verpfändet, wie es damals üblich war.
Über die Jahrhunderte setzten sich dann die Herrschaftsgeschlechter Rheydt und Wickrath durch. Beide bauten einstige Burgen zu Schlössern um, so entstanden das Renaissanceschloss Rheydt und das Barockschloss Wickrath.

Im Umkreis der Klöster und Burgen wuchsen mittelalterliche Siedlungen, die sich durch Landwirtschaft und Handwerk ernährten. Schon früh entwickelte die Region dabei ihre Bedeutung in der Textilherstellung. In Gladbach, Rheydt und anderen Siedlungen wurde Flachs angebaut und zu Leinen verarbeitet. Im 16. Jahrhundert vollzog sich die Trennung zwischen Herstellung und Handel, die Leinenweber wurden zu Zulieferern für die „Textilverleger“, die sich ausschließlich dem Vertrieb der Stoffe widmeten.
Neben dem Leinen waren vor allem Feuerwaffen eine Ware, die in der Region bevorzugt hergestellt und gehandelt wurde. So haben „Büchsenmacher“ in der Region Mönchengladbach eine lange Tradition.

Die Reformation in Gladbach und Rheydt

Im 16. Jahrhundert, als in ganz Europa die Reformation gegen den Katholizismus kämpfte, machten Gladbach und Rheydt zwei vollkommen unterschiedliche Entwicklungen durch. Die Gladbacher Abtei, die dem Kölner Erzbischof unterstand, musste ihre anfänglichen Versuche, sich den Ideen der Reformation zu öffnen, sehr bald einstellen. Die überwiegende Mehrheit der Gladbacher blieb danach katholisch. Anders in Rheydt, wo die Reformation beinahe ungehinderten Einzug hielt. Über mehrere Jahrhunderte blieb Rheydt unter der „Jülicher Provinzialsynode“ protestantisches Gebiet, wobei in dieser Zeit auch mehrere evangelische Kirchen erbaut wurden. Erst mit dem starken Bevölkerungswachstum im 19. Jahrhundert lösten sich die Konfessionsgrenzen zwischen Gladbach und Rheydt immer mehr auf.
Zu den religiösen Minderheiten beider Städte gehörten bereits seit dem 14. Jahrhundert Juden und Mennoniten.

Entwicklung zur Industriestadt

Mit der Entwicklung der Überseeschifffahrt und der Einfuhr der Baumwolle geriet die traditionelle Textilregion am Gladbach zu voller wirtschaftlicher Blüte. 1747 setzte sich der Kaufmann Ullenberg als alleiniger  Textilvertreiber der Gegend durch. Als er um 1800 seine Privilegien verlor, strömten zahlreiche Textilhersteller nach Gladbach und Rheydt und gründeten Manufakturen und Webereien. Als „Rheinisches Manchester“ war Mönchengladbach damit eins der ersten frühen Industriezentren auf dem europäischen Festland. Bis 1860 hatten sich so viele Textil- und Kleiderfabriken gegründet, dass die Handweberei endgültig überwunden war.

Mit der Erbauung der ersten Bahnverbindung um 1851 stieg die Bedeutung des Wirtschaftsstandortes München Gladbach noch weiter an.
Die Industrialisierung der Textilbranche zog außerdem weitere technische Entwicklungen nach sich. So wurden mehrere Druckereien gegründet und natürlich Fabriken zur Herstellung von Industriemaschinen und Elektromotoren. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts war München Gladbach das, was man heute ein „Technologiezentrum“ nennen würde. So ist es kein Zufall, dass der bedeutendste deutsche Flugzeugingenieur aus den Anfängen der Luftfahrttechnik in Mönchengladbach geboren wurde. Hugo Junkers, der Konstrukteur des ersten Verkehrsflugzeuges, der JU 52, war Sohn einer erfolgreichen Fabrikantenfamilie aus Rheydt. Seine Bemühungen galten einzig und allein der zivilen Luftfahrt, weshalb er nach der Machtergreifung der Nazis auch von seinem eigenen Unternehmen in Dessau enteignet wurde.

Die Zeit des sozialen Kapitalismus

So wie Junkers vertraten die meisten Fabrikanten von Mönchengladbach eine ausgesprochen sozial geprägte Unternehmerphilosophie. Sie gehörten zu den ersten Deutschen, die von der Entstehung des Kapitalismus profitierten, und gerade diese „Pioniere des Kapitalismus“ sahen in der Verantwortung für ihre Arbeiter einen wesentlichen Bestandteil des Unternehmertums. So wurde in Mönchengladbach das Modell der Krankenkasse auf betriebsinterner Ebene entwickelt und moderne Wohnsiedlungen für Arbeiter errichtet. Der Textilfabrikant Franz Brandt setzte sich persönlich für das Mitbestimmungsrecht seiner Arbeiter ein und forcierte die Gründung eines Arbeiterausschusses. Außerdem unterstütze er finanziell mehrere soziale Einrichtungen.
Durch großzügige Spenden wirtschaftlich erfolgreicher Mönchengladbacher entstanden auch bedeutende Kultureinrichtungen. Allen voran die Kaiser-Friedrich-Halle, in der Konzert- und Theateraufführungen stattfanden. Außerdem wurde die Textilingenieursschule gegründet, eine Vorläufer der heutigen Hochschule Niederrhein.

Der Zusammenschluss der Teilstädte

Durch das Bevölkerungswachstum während der Industrialisierung kam es auch zur Idee, die gewachsenen Städte Rheydt und München Gladbach mit weiteren Gemeinden zu einer Stadt zusammen zu schließen. Doch die vergangenen Jahrhunderte der konfessionellen Trennung zwischen Rheydt und München Gladbach hatten ihre Spuren hinterlassen und der Widerstand der Bevölkerung war groß.
Dies wiederum machten sich die Nazis zunutze, die in den beiden Arbeiterstädten sonst eher wenig beliebt waren. Durch die Befürwortung einer Zwei-Städte-Lösung gewannen sie dann doch an Popularität. Infolge gab es im Nationalsozialismus zwei Städte, M.Gladbach und Rheydt, in die jedoch die umliegenden Gemeinden wie Neuwerk, Wickrath etc. eingemeindet wurden. Nach dem Krieg zögerten die Alliierten, den Streit wieder ins Rollen zu bringen und so kam es erst 1970 zum offiziellen Zusammenschluss der beiden Städte, die faktisch längst zusammen gewachsen waren. Und damit auch zur endgültigen Schreibweise von Mönchengladbach. Bis heute kann man in manchen Stadtgebieten spüren, dass der Zusammenschluss noch immer nicht von allen Einwohnern akzeptiert wird.

Nachkriegszeit und Entwicklung zur modernen Großstadt

Der bedeutende Industriestandort im äußersten Westen Deutschlands war ein bevorzugtes Kriegsziel der Alliierten. Rheydt war nach dem Krieg fast vollkommen zerstört. Hier wurde unter Leitung des Architekten Alfons Leitl praktisch eine völlig neue Stadt  aufgebaut.

Mönchengladbach gehörte zur britischen Besatzungszone. Von 1952 bis 1954 entstand im Rheindahlener Wald das NATO-Hauptquartier. Kasernen und Wohnregionen des Militärs sind inzwischen aufgelöst, aber die englischen Straßennamen erinnern noch heute an die einstige britische Kleinstadt in Mönchengladbach.

Mit der wirtschaftlichen Entwicklung in den Nachkriegsjahrzehnten ging die Textilindustrie von Mönchengladbach allmählich zurück, wurde aber nach und nach von anderen Branchen, vorwiegend im Dienstleistungsbereich abgelöst. Durch den Ausbau des Autobahnrings hat Mönchengladbach mit seinen günstigen Verkehrsmöglichkeiten in alle Richtungen viele Standortvorteile.

Nach der Wiedervereinigung 1990 wurde der nun verlassene britische Militärstützpunkt zu einem Sportzentrum umgebaut. Der BORUSSIA-Park ist die Heimat der berühmten Fußballmannschaft und auch ein bedeutender Austragungsort für internationale Begegnungen im Fußball. Vor allem bei den Frauenfußball-Weltmeisterschaften spielt der BORUSSIA-Park eine bedeutende Rolle.

Heute ist Mönchengladbach eine moderne Stadt mit vielen Grünzonen und Kulturangeboten und profitiert dabei von seiner Nähe zu den Wirtschaftszentren des Ruhrgebiets.


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